Sonntag, 10. Januar (1. Sonntag nach Epiphanias): Andacht von Pfarrerin Britta Meyhoff

Pfarrerin Britta Raneberg

Foto: Bertold Fernkorn

Begrüßung

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. Mit diesen Worten zum Epiphanias-Fest aus dem ersten Johannesbrief (2,8b) sind wir vereint im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Noch einmal erfüllt weihnachtlicher Glanz unser Zusammensein. Licht, das wir so nötig brauchen, wo doch vielerorts Dunkelheit um sich greift. Licht, das wir brauchen, um nicht in die Irre zu gehen. In unserem Miteinander und in seinem Wort schenkt uns Gott Licht und Segen, Hoffnung und Zuversicht: Wir sind nicht verloren, wir sind gerettet.

 

Gebet

Deine Herrlichkeit, Herr, durchbricht die Finsternis in dieser Welt.

Du machst die dunklen Seiten unseres Lebens hell.

Dafür sagen wir dir Dank und bitten dich:

Dass wir für andere Licht werden, das wärmt, tröstet und Hoffnung gibt.

Damit deine Herrlichkeit über allen aufgehe und dein ewiges Reich schon jetzt sichtbar werde bis du kommst, dein Werk zu vollenden. Amen           (A. Reinhold)

 

Ansprache

Der Predigttext steht beim Propheten Jesaja: (Jes 60,1-6)

1 Mache dich auf, werde Licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! 2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und tiefes Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. 3 Und Heidenvölker werden zu deinem Licht kommen, und Könige zu dem Glanz, der über dir aufgeht. 4 Hebe deine Augen auf und sieh um dich: Diese alle kommen versammelt zu dir! Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm herbeigetragen werden. 5 Wenn du dies siehst, wirst du vor Freude strahlen, und dein Herz wird klopfen und weit werden; denn der Reichtum des Meeres wird dir zugewandt, die Schätze der Heidenvölker werden zu dir kommen. 6 Eine Menge Kamele wird dich bedecken, Dromedare von Midian und Epha; sie alle werden von Saba kommen, Gold und Weihrauch bringen und mit Freuden das Lob des Herrn verkündigen.

 

Liebe Mitchristen!

Hoffnungsbilder malt dieser Text des Propheten Jesaja. Es sind Worte, die uns in Bewegung setzen. Sehnsucht wecken. Mut machen. Obwohl es noch dunkel, finster ist, blitzt da schon Licht auf. Licht in dunkler Zeit. Dunkle Zeiten kennt wohl jede und jeder von uns. Dunkel ist es, wenn Katastrophen den Alltag erschüttern. Globale Katastrophen wie Corona, wetterbedingte Katastrophen oder auch persönliche Tragödien. Dunkel ist es auch, wenn Krieg herrscht, Frieden unmöglich erscheint. Dunkel ist es, wenn Hass und Ignoranz Menschen trennen, man sich nicht mehr zuhören kann, Toleranz verloren geht – so wie am letzten Mittwoch in Washington oder auch bei uns bei so mancher Querdenkerdemonstration.

Das zurückliegende Jahr 2020 werden wohl viele von uns als dunkel, als mühsam, als zermürbend empfunden haben. Die Pandemie, die Einschränkungen, die Sorgen über die wirtschaftliche und persönliche Zukunft, die gesundheitlichen Ängste, die Spaltung und die Verwerfungen in unserer Gesellschaft, die Sorge um die Umwelt und das Klima: es gab viele Gründe, sich Sorgen zu machen in 2020. Und ich gebe zu: Ich sehne mich nach einer Zeit, in der ich mich wieder frei fühle, ohne Einschränkungen lebe, kein Abstand mehr einhalten muss und andere berühren kann. Ich hoffe auf eine Zeit, in der es heller wird und Hoffnung aufscheint. Doch die Befürchtung, dass es auch 2021 nicht schnell besser wird, ist bei vielen groß.

Da kann einem vielleicht dieses beinahe paradiesische Bild, das der Text Jesajas vor Augen malt, schon fast ein bisschen zu viel Heil, Friede, Freude sein. Auch scheint das Dunkle immer stärker zu sein. Es ist so schwer dagegen zu halten.

Damals als Jesaja diese Worte zum Volk Israel sprach, gab es auch schon diese Einwände. Die ersten Israeliten kehrten aus dem Exil in Babylon zurück. Sie trafen auf ein halb zerstörtes Land. Der Alltag war mühsam. Die Aufgabe, den zerstörten Tempel wiederaufzubauen, erschien unmöglich. Diejenigen, die im Land geblieben waren, akzeptierten die Rückkehrer nicht. Die blühenden Landschaften, die Jesaja hier malt, sahen die Menschen nicht. Und doch will ich mich den Worten Jesajas nicht entziehen. Sie lassen in mir Hoffnung wachsen und locken mich aus meinem Alltag, aus Sachzwängen und Bedenken heraus.

Und ehrlich gesagt denke ich: Wir brauchen solche Visionen und Lichtstreifen. Wir können nicht immer nur auf das Dunkle starren, weil es uns lähmt. Gute Nachrichten, Licht am Ende des Tunnels, eine Perspektive, die Hoffnung verbreitet – das kann uns in Bewegung setzen und etwas verändern. Selbst wenn die Gegenwart gerade eher dagegenspricht und Dunkel verbreitet. Jesaja jedenfalls lässt sich nicht abhalten, auf das Licht zu verweisen und gibt den Blick auf diese Zukunft frei:

“Mache dich auf, werde Licht!”

Was für eine Aufforderung! Welch eine Mut machende Zusage! Darin steckt das Vertrauen, dass Gott diese Welt und uns nicht im Dunkeln lassen will. Daran will ich fest glauben.

“Mache dich auf, werde Licht!”

Gott möchte, dass uns ein Licht aufgeht. Er selbst ist dieses Licht. Mit klarem Geist sollen wir fragen und erkennen. Das Licht deckt auf, macht offenbar, lässt klarer sehen. Das, was im Dunkel lag, erscheint in neuem Licht. Ich möchte diesen Schritt zum Licht hin gehen, ins Licht hinein, das verändert und neue Perspektiven schenkt.

“Mache dich auf, werde Licht!”

Gottes Licht möchte Wegweiser sein. Das Licht, das aufscheint, macht mir Mut aufzubrechen, nach Wegen zu suchen, damit alle im Licht Gottes leben können. Der Glaube an diesen Gott sind immer auch Weggeschichten. Sie leben von den Menschen, die sich von Gottes Licht locken ließen, die nicht in Finsternissen sitzen blieben. Da ist Abraham, der sich auf dem Weg in das Gelobte Land macht.  Da ist das Volk Israel, das aufbricht aus Ägypten in die Freiheit. Da sind die Menschen, zu denen Jesaja spricht, die aus dem Exil in ein zerstörtes Land zurückkehren. Für all die eröffnet Gottes Licht neue Perspektiven und Hoffnung. Gottes Licht lässt sich von keinem Zweifel, keinem Sachzwang und keiner Dunkelheit aufhalten. Es ist da. Selbst dort, wo die Dunkelheit gesiegt zu haben scheint, am Ostermorgen, als die Frauen kommen, um den Leichnam Jesu zu salben. Sie bekommen Überraschendes, Verstörendes, Beglückendes zu sehen und zu hören.

“Mache dich auf, werde Licht!”

Gottes Licht lässt Menschen zu Lichtträgern werden. Wo ich auf Gottes Verheißung gerade in Dunkelheit vertraue, da kann ich selbst zur Lichtträgerin werden. Auch wenn mir manchmal mein Licht klein vorkommt, in der Dunkelheit hat auch das kleinste Licht Kraft und mit anderen gemeinsam kann ich etwas verändern. Ich will von dieser Hoffnung erzählen.

“Mache dich auf, werde Licht!”

Vertrauen wir gemeinsam auf dieses Licht und werden uns gegenseitig zu Lichtträgern. Wo wir das Vertrauen teilen, uns gegenseitig mit positiven Gedanken und Worten ermutigen, auch unter Beschränkungen wie jetzt im Januar 2021 in Kontakt bleiben und uns gegenseitig helfen, da sind wir gut unterwegs. Wo wir durch das Licht erkennen können, was Leben zerstört und Liebe im Umgang miteinander verhindert, da können wir neue Wege wagen und Lebensmöglichkeiten eröffnen. Gottes Weg mit seinem Volk Israel, mit uns Menschen, mit dieser Welt, mit Dir und mir ist noch nicht am Ende. Sein Licht geht uns voran, auch in 2021.

“Mache dich auf, werde Licht!”

Es ist Epiphanias-Zeit – eine Zeit, in der etwas offenbar wird, ins rechte Licht gerückt wird und uns ein Licht aufgeht: Gott wird Mensch, der Stern steht über dem Stall. Hoffnung und Sehnsucht, eine Perspektive für das eigene Leben, für die Gesellschaft, für diese Welt. Genau jetzt kann alles anders werden. Ich will an dieser Überzeugung festhalten. Sie ist mehr als ein Traum. Es ist Gottes Versprechen.

“Mache dich auf, werde Licht! Denn dein Licht kommt” Amen.

 

Schlussgebet

Mache dich auf, Herr, und werde Licht in unserer dunklen Welt.

Mache dich auf, Herr, und werde Kraft in unseren erlahmenden Händen.

Mache dich auf, Herr, und werde Hoffnung in unseren düsteren Gedanken.

Mache dich auf, Herr, und werde Liebe in unseren erkalteten Herzen.

Mache dich auf, Herr, und werde Glaube in unseren verängstigten Seelen.

Mache dich auf, Herr, und werde Herr in unserem Leben.             (A. Reinhold)

Vater Unser

 

Segen

Gott, segne uns und behüte uns.

Gott, schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.

Gott, lass Dein Angesicht leuchten über uns,

dass wir leuchten können für andere.

Gott, erhebe Dein Angesicht auf uns und halte uns fest im Glauben,

dass das Leben lebendiger ist als der Tod.                              Bernd Bartill